Kuttner.
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Presseberichte zu Sarah und ihrer Show

Artikel vom 06.11.2004 erschienen in FAZ.net

Die Atemlose

06. November 2004 F?nfzig Sekunden braucht sie durchschnittlich f?r eine Anmoderation. Die Abmoderation schafft sie manchmal in drei?ig Sekunden. Sie redet schneller als sie atmet. Und wenn sie kurz Luft holt, rutscht beim Ausatmen immer noch ein Wort mit raus. Sarah Kuttner kann reden. Wie eine N?hmaschine, wie ein Wasserfall, wie Anne Will in Zeitraffer, wie Gisela Schl?ter selig, wie der Punkrock-Beat ihrer derzeitigen Lieblingsband "The Hives".

Reden ist ihr gr??tes Talent - aber auch ihre gr??te Schw?che. Das wei? sie seit ihrer fr?hen Kindheit. Damals bekam ihre Oma einen Heulkrampf, weil ihre Enkelin auf sie einredete und einfach nicht aufh?rte. Heute gibt sie zu: "Ich kann anstrengend sein, das ist mir schon klar."

Gut geschnittenes Profik mit gro?en Augen

Sarah Kuttner ist das aktuelle Gesicht von Viva. Erst einmal ein ziemlich h?bsches mit gro?en Augen und gut geschnittenem Profil. Aber schon ihr exponiert herausragender Eckzahn verspricht: Diese Frau hat Ecken und Kanten. Seit August moderiert sie auf dem Musiksender sich selbst: "Sarah Kuttner - die Show", dienstags bis freitags, 21Uhr. Sie ist das Aush?ngeschild, ein gutes Jahrzehnt, nachdem Heike Makatsch das erste Image des Senders pr?gte - als nettes, freches Girlie. Nett und frech ist Sarah Kuttner auch. Aber kein Girlie. Sie hat nichts gegen "P?ppitum". Es entspricht ihr nur einfach nicht.

Sie ist am liebsten ungeschminkt, tr?gt gern Schwarz, und statt in ihrer Heimatstadt Berlin angesagte Partys zu besuchen, geht sie in der Kneipe mit Freunden ihrer Lieblingsbesch?ftigung nach: ausgiebigem Reden. Aber gerade, weil sie anders als die anderen ist, hat sie dem Sender ein neues Profil verliehen. Mit Sarah Kuttner ist Viva erwachsener geworden.

"Hallo, ich bin die Sarah. Und wer bist du?"

Die Berlinerin produziert im Viva-Geb?ude, einer ehemaligen Fabrik in K?ln-M?lheim. Im gro?en Studio nebenan kasperte sich bis vor zwei Wochen Anke Engelke durch den Abend. Die Deko steht noch: Backsteinwand, ein Sofa, ein Tisch, die B?hne f?r die Band und die Skyline-Fototapete im Hintergrund. Ohne Zuschauer nicht mehr als ein toter Raum mit vielen leeren St?hlen. Aber man hat immer noch eine Ahnung davon, wie einsam Anke Engelke auf der B?hne gewesen sein mu?, wenn eine Pointe sich im Saal verlor.

"Hallo, ich bin die Sarah. Und wer bist du?" Zum Warm-up begr??t Kuttner am Dienstagabend jeden der gut zwanzig Zuschauer im Studio, das ger?umiges Wohnzimmerformat hat. Sie biegt ihr Kreuz durch, sch?ttelt die H?nde und l?chelt ein L?cheln, das signalisiert: "Heute machen wir hier 'ne Sendung, keine Panik, geht ganz einfach." Die Zuschauer l?mmeln sich in Ikea-Sofas, Modell Klippan. Sarah Kuttner sitzt an einem schlichten Schreibtisch, Kiefer-Furnier. Im Regal stehen ein paar B?cher rum, ein Fremdw?rterbuch, ein Globus, zwei Yucca-Palmen - die langweiligsten aller Topfpflanzen. "Atmo: Jugendzimmer", k?nnte im Sendekonzept gestanden haben. Fast wie ein ironischer Kommentar zu Shows wie "Anke Late Night", die urban, schick, extraordin?r sein sollte.

Zu eigenartig f?r etwas Gro?es

Die "Sarah Kuttner Show" - konzipiert vor Engelkes erstem Auftritt - ist Alltag. Sarah tritt wie eine gute Freundin auf; Sven, ihr Co-Moderator, wie ein Kumpel, mit dem man nach der Schule ruml?mmelt und bl?des Zeug veranstaltet. L?ssig und entspannt kommt die Sendung daher, vielleicht, weil kein Quotendruck die Leichtigkeit beschwert.

Das Scheitern von Anke Engelke vis-a-vis macht ihr keine Angst. "Wir sind ja ein paar Nummern kleiner", sagt Sarah Kuttner entschieden. "Ich bin mir sicher, da? ich niemals so etwas Gro?es wie die Anke-Show moderieren werde, weil ich dazu zu eigenartig, speziell, polarisierend bin. Die eine H?lfte der Leute findet mich super, die andere ha?t mich."

Nachfolgerin oder billige Kopie? Immer aber denkt man an Engelke

Und doch denkt man bei Kuttner immer auch an Engelke. Die einen sehen in Sarah Ankes Nachfolgerin, die anderen halten sie f?r eine billige Kopie. Tats?chlich gibt es viele Parallelen. "Klein, weiblich, gut" steht auf Engelkes Homepage. Auf Sarah trifft das auch zu: Sie ist vorlaut, schlagfertig, selbstbewu?t, direkt und nur 1,60Meter gro?. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: "Ich bin kein Comedian", sagt Sarah, "sondern Moderatorin." Und das ohne Netz und doppelten Boden.

Sie versucht erst gar nicht, ihre Art zu reden in geordnete Bahnen zu lenken. Es gibt keinen Teleprompter, keine Gagschreiber und keinen Assistenten, der Schilder mit den n?chsten Anweisungen hochh?lt. Sie redet einfach, bereitet sich so wenig wie m?glich vor, damit ihre Moderation spontan bleibt. Stolpern und Verhaspeln inbegriffen. Manchmal fragt sie sich laut in der Sendung: "Was rede ich denn da?", um ohne Pause weiterzugaloppieren. Das kann lustig sein, aber auch aus dem Ruder laufen. Was auch nicht schlimm ist, denn sie hat nicht vor, mit "hinondulierten Pointen" zu punkten. "Bei mir schmunzelt man, aber es kommt nicht auf die Lacher an."

P?dagogischer Eifer in Sarah-Kuttner-Sprache

Nur auf die Interviews bereitet sie sich akribisch vor. Soll ja "was bei rumkommen". Mit dem Frontmann der amerikanischen Gruppe Maroon5 spricht sie am Dienstag abend ?ber Zungenk?sse, aber eben auch ?ber die amerikanische Pr?sidentenwahl. Die Fr?chte des Gespr?chs kann sie am n?chsten Tag auf ihrer Homepage nachlesen: Im Forum wird heftig ?ber den Ausgang der Wahl diskutiert.

"Ich finde es in Ordnung, wenn ich Leuten was beibringen kann", sagt sie ganz ernst. Sie nennt das auch "unauff?llig Wissen vermitteln". Mit p?dagogischem Eifer, aber in Sarah-Kuttner-Sprache, sensibilisiert sie die Zuschauer f?r Ungereimtheiten in ihrer Umgebung: "Hallo? Kann jemand nochmal 'ne Runde mitdenken?"

Freunde macht sie sich nicht immer damit. Vor ein paar Wochen hat sie sich "Bravo", das Fachmagazin ihrer Zielgruppe, vorgenommen. "Ich habe einfach nur gezeigt, wie journalistisch die mal waren und was heute aus ihnen geworden ist: ein Softsexmagazin, in dem Br?ste und komplette Geschlechtsteile zu sehen sind. Und ?berschriften wie: ,Usher: gro?e Titten finde ich super'." Prompt kam eine Beschwerde des Teenager-Fachblatts. Der Sender gab ihr R?ckendeckung, wohl wissend, da? ihre Attacken zur Marke Sarah Kuttner geh?ren: "Wenn mich was richtig doll st?rt, dann sage ich das sehr direkt." Diplomatie geh?rt nicht zu ihren St?rken.

?Das ist eine ARD-Sendung? - ?Schei?e? durch ?Mist? ersetzt

Noch wird sie nicht wie Anke Engelke bei Sat.1 an der Zahl ihrer Zuschauer gemessen. "Kann sein, da? ich mal auf Quote achten mu?, wenn ich gro? bin." Das hie?e f?r die F?nfundzwanzigj?hrige: Fernsehen f?r Erwachsene. Einen Vorgeschmack darauf, was das bedeutet, hatte sie schon, als sie mit J?rg Pilawa den Vorentscheid des "EurovisionSongContest" moderierte. Man hatte sie als Vorzeige-Jugendliche gebucht, um dem Wettwerb mehr Dynamik zu verleihen. "Ihr habt Sarah eingekauft, also bekommt ihr Sarah", sagte sich die Berlinerin. "Frau Kuttner, denken Sie bitte daran: Das ist eine ARD-Sendung", sagten ihr die Verantwortlichen.

Sie bem?hte sich tats?chlich, fluchte weniger, ersetzte "Schei?e" durch "Mist". Trotzdem machte die Frau des ebenfalls anwesenden Moderators Kai Pflaume eine Strichliste mit der Zahl ihrer Schimpfw?rter und lie? ihren Mann nach der Sendung fragen: "Mu?te das sein?" Seitdem gilt sie in den Medien als "die Vulg?re". "Das ?rgert mich. Ich wei? zwar, da? ich das bin, aber nicht so doll, da? man mich darauf reduzieren sollte." Damit dieses Image nicht an ihr haften bleibt, zeigt sie sich einsichtig: "Vulg?re Spr?che sind der einfache Weg, Leute zu begeistern. Das Publikum lacht immer, wenn es um Ficken geht." K?nftig will sie sich z?geln. Fitmachen f?r eine Zukunft bei einem gro?en Sender?

Sarah Kuttner sa? bei Engelkes letzter Sendung im Publikum. Bevor die Kameras liefen, machte die Moderatorin ein sehr pers?nliches Warm-up. "Sie war kurz vorm Weinen. Das war sehr anr?hrend", sagt Kuttner nachdenklich und erg?nzt erstaunlich langsam: "Und ganz sch?n gruselig."

Quelle:
FAZ.net