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Presseberichte zu Sarah und ihrer Show

Artikel vom 01.12.2003 erschienen in FAZ.net

Wie sie wurden, was sie nicht mehr sind

Zehn Jahre Viva

01. Dezember 2003 Ohne Viva w?ren DJ Bobo, Scooter und das Comeback von "Modern Talking" nicht denkbar gewesen. Das mag ein zweifelhafter Erfolg sein, aber es ist ein Nachruhm, den dem Musiksender niemand nehmen kann, egal was kommt. Durch Viva, das Kind der Plattenindustrie mit Mindestanteil an Videos aus deutschen Landen, hat die deutsche Musikszene einen Schub bekommen, der kaum ?bersch?tzt werden kann. Welche Bedeutung der Sender heute, zehn Jahre nach dem Sendestart, noch hat, ist dagegen weniger gewi?.

Er ist gegen?ber MTV in die Defensive geraten und leidet massiv unter der Werbeflaute. Musik ist im laufenden Programm von Viva nur noch ein Element unter vielen, die Beliebigkeit und die Austauschbarkeit des Senders w?chst. Der Ableger Viva Plus betrachtet Musikfernsehen konsequent als Hintergrundmedium und Dudelfunk mit Gru?m?glichkeit per teurer SMS. Er kommt ganz ohne Moderatoren aus, die bis vor kurzem noch als unentbehrlich galten, um einem Sender die n?tige Unverwechselbarkeit zu verschaffen, und hat trotzdem schon fast so viele Zuschauer wie die gro?e Schwester.

Vielleicht ist der zehnte Geburtstag von Viva die letzte Gelegenheit, eine Gattung zu w?rdigen, an die man sich bald nicht mehr erinnern wird: den Viva-Moderator. Er oder sie ist inzwischen verschwunden oder bei einem anderen Sender zu dem Typus mutiert, der dort gepflegt wir. Dies ist der Versuch einer kleinen Typologie der Gesichter eines Musiksenders.

Charlotte Roche: Die Alibifrau

Seit kurzem sieht man sie wieder h?ufiger im Viva-Programm oder wenigstens ihren Namen oder wenigstens den ihrer Sendung. Denn seit kurzem blendet Viva tags?ber oben eine Zeile ein, in der auch Sendungen angek?ndigt werden, die erst nach Mitternacht laufen. Das hat sich insofern schon gelohnt, da? man sich nicht mehr fragen mu?, ob Charlotte Roche da ?berhaupt noch ist. Doch, ist sie. Aber vorher m?ssen halt noch diverse Wiederholungen von traurigen alten Pro-Sieben-Sendungen gezeigt werden, die kann man ja schlecht tief in der Nacht versenden. Man m??te Charlotte Roche mit ihrer Rotzigkeit und ihrem Interesse an Musik die "Vorzeigefrau" von Viva nennen, aber nat?rlich ist sie die "Versteckfrau": Es reicht v?llig, da? sie da ist, man mu? sich mit ihrer kleinen Sendung "Fast Forward" ja nicht auch noch die Quoten versauen. Das eigentlich Traurige ist, da? ihr etwas verungl?ckter Ausflug zu Pro Sieben zeigte, da? sie bei einem kleinen Sender richtig gut und viel besser aufgehoben ist. Wenn dieser nur w??te, was er an ihr hat.

Mola Adebisi: Der ?briggebliebene

In einem Interview hat Mola Adebisi einmal gesagt: "Von all meinen Aktivit?ten, die ich seit meiner Jugend betrieben habe, ist Moderator mehr oder weniger ein Abfallprodukt gewesen." Und: "Ich bin zum Moderieren gekommen wie die Jungfrau zum Kind." Dem ist wenig hinzuzuf?gen. Als Mola Adebisi zu Viva kam, war er zwanzig und moderierte Kinderquatsch, im Februar wird er 31 und moderiert immer noch Kinderquatsch. Jeder andere w?re vermutlich nicht nur l?ngst gegangen (okay, Mola hat zwischendurch "Die d?mmsten Urlauber der Welt" bei RTL 2 moderiert, das z?hlt aber kaum als Karriereschritt), sondern h?tte sich wenigstens ein neues, gar reiferes Format bei seinem Sender erk?mpft. Nicht einmal die Jubil?umssendung durfte er moderieren, wahrscheinlich ist er aber f?r das Clip-Special "25 Jahre Viva" im Jahr 2018 schon gebucht. Andererseits: F?r wen ist es trauriger, sich nicht zu ver?ndern, f?r Mola oder einen trendigen Musiksender? Wom?glich ist Molas Erstarren in Wahrheit eine gro?e Erfolgsgeschichte. Was macht eigentlich Kristiane Backer?

Heike Makatsch: Der Star

Dutzendfach ist er gelaufen, der Clip von den ersten Minuten im Leben von Viva, in denen sie sagt: "Wir sind mehr als nur ein Fernsehsender, denn wir sind euer Sprachrohr und euer Freund, und ab heute bleiben wir f?r immer zusammen, okay?" und sich zur Kamera beugt und ungelenk mit den H?nden ein Sprachrohr formt. Immer noch hat er eine schr?ge Magie, weil Heike Makatsch so entschieden unprofessionell dasteht und doch so anders unprofessionell als all die anderen, die dachten, es reicht, nichts zu k?nnen, um Viva-Moderator zu werden. Sie steht da wirklich als neue Freundin und ist die einzige, die diesen Satz sagen kann, ohne da? er peinlich ist. Nat?rlich war sie klug genug, nicht f?r immer mit uns und Viva zusammenzubleiben, sie hat die wohl erstaunlichste Karriere gemacht und dreht heute Weihnachtskom?dien mit Hugh Grant. Sie wirkt dabei so wenig wie eine richtige Schauspielerin wie damals wie eine richtige Moderatorin, und trotzdem m?chte man sagen, da? sich das ganze Projekt Viva schon gelohnt hat, nur um der Welt Heike Makatsch zu schenken.

Stefan Raab: Der Nervige

"Du wei?t auch nie, wann Schlu? ist", wirft man Kindern vor, wenn sie einen "Scherz" zu weit getrieben haben. Dabei ist das exakt das Erfolgsgeheimnis von Stefan Raab. Alle Viva-Moderatoren profilierten sich ?ber Penetranz, die meisten belie?en es dabei, sich daf?r eine m?glichst affige, immer gleiche Begr??ungs- und Abschiedsfloskel auszudenken. Raab war konsequenter: Er verfolgte seine Opfer mit Mikrofon und Dauergrinsen, bis sie ihm eine reinhauten. Schon "Vivasion" funktionierte durch die Wiederholung der immer gleichen Witze, so wie er sp?ter bei "TV Total" gesch?tzte drei Millionen Mal das Gel?nder herunterrutschte, um den "Weltrekord" zu brechen, und vermutlich noch ?fter mit den Worten "Wir haben doch keine Zeit" auf seine Armbanduhr tippte. Jahrelang hatte er erz?hlt, das mit dem Fernsehen nicht ewig machen zu wollen, sondern nach ein paar Jahren aufzuh?ren, um die Welt zu umsegeln. Gerade hat er dieses Versprechen gebrochen. Stefan Raab wei?, wann Schlu? ist, n?mlich genau dann, wenn der Spa? aufh?rt: nie.

Enie van de Meiklokjes: Das eigentliche Nichts

Es ist schwer zu sagen, was Enie van de Meiklokjes richtig gut kann. Sie moderiert, aber man wei? eigentlich nicht, warum. Sie ist bekannt, aber man wei? eigentlich nicht, woher. Sie redet, aber man wei? eigentlich nicht, wor?ber. Sie hat sich irgendwann diesen lustigen K?nstlernamen anstelle von Doreen Grochowski ausgedacht, das hilft, und dar?ber kann man in jeder Talkshow ein bi?chen plaudern. Und sie hat sich irgendwann diese lustige rote Frisur ausgedacht, das hilft auch, und als die Telekom sie als Modell f?r die Werbung verpflichtete, wurden die Haare magentarosa, warum nicht, besser, als wenn die Hausfarbe des Unternehmens Schlammbraun oder Giftgr?n gewesen w?re. Ihre offensichtliche Talentlosigkeit ist Teil ihres Erfolges, schlie?lich k?nnen die meisten Zuschauer zu Hause auch nicht besser Englisch, ist doch nett, da? man trotzdem ins Fernsehen kommt, nicht nur diese arroganten Allesk?nner. Jetzt moderiert sie im ZDF eine Sendung ?ber klassische Musik, die Menschen ansprechen soll, die nichts von klassischer Musik verstehen. Sie ist die perfekte Wahl.

Oliver Pocher: Harald-Schmidt-Imitator

Die selbstironische Brechung, die Harald Schmidt ins Fernsehen brachte, war eine erfrischende neue Haltung, bis jeder siebzehnj?hrige Nachwuchsmoderator dachte, es solle auch die seine sein. Bis eine ganze Generation entdeckte, da? es zwar geil ist, Viva-Moderator zu sein, aber cooler, nur einen Viva-Moderator zu spielen. Da? man jeden schlechten Auftritt dadurch auffangen kann, da? man so tut, als sei es ohnehin nicht ernst gemeint gewesen, zwinker, wir verstehen uns, hey. Wenn Schmidt es schafft, jedem PR-Auftritt irgendeines Viva-Sternchens einen doppelten Boden zu geben, der ihn gl?nzen l??t, kann man es als cleverer Bursche sicher auch ?berleben, auf dem Interaktiv-Sofa zu sitzen und peinliche Fanpost von Teenagern vorzulesen - so die Logik von Oliver Pocher. Immerhin brachte er es zu einer Art Late-Night-Show bei Pro Sieben namens "Rent a Pocher", in der nicht einmal das Saalpublikum ?ber die Witze lacht. Sein eigenes "H?h?" ist das einzige, was man h?rt. Aber in irgendeiner postmodernen Fernsehlogik ist das sicher ein Qualit?tsmerkmal.

Sarah Kuttner: Die Distanzierte

Was f?r ein Gl?cksfall. Vor zwei Jahren kam Sarah Kuttner zu Viva und rettete den Sender - soweit eine Moderatorin das kann - vor kompletter Bedeutungslosigkeit. In k?rzester Zeit stieg sie zum neuen Star des Senders auf, brachte ihn in die Schlagzeilen (bevor sie sich f?r den "Playboy" auszog) und bewies, da? es einen dritten Musikfernseh-Moderationsweg gibt zwischen zynischer Dauerironie und dem v?lligen Einssein mit dem Teenageruniversum. Sarah Kuttner wirkt, als sei sie nur zu Gast in dieser Viva-Welt, als h?tte sich selbst nie ein Poster von Alexander oder Westlife ins Kinderzimmer geh?ngt, und wenn doch, w?re es nicht sehr wichtig gewesen. Aber zugleich schaut sie nicht herab auf die "Bravo"-Leser, die sich ihre Sendungen anschauen. Sie ist unangepa?t in ihrem merkw?rdig konservativen Auftreten und wirkt viel ?lter als die vierundzwanzig Jahre, die sie ist, wohl weil sie so wunderbar gelassen ist bei dem, was sie tut und was passiert. Auf ihrer Homepage steht: "Und ich frage mich gelegentlich: Bin das ich, oder bin ich schon so wie die im Fernsehen?" Keine Sorge.

Dieter Gorny: Der Philosoph

Er hat noch keine eigene Sendung, aber wenn es mal soweit ist, m??te sie "Solo" hei?en oder "Astro-TV", ein Format, in dem Viva-Chef Dieter Gorny ohne gro?e Unterbrechung erz?hlen k?nnte, was die Zukunft bringt. Das w?re eine Neunzig-Minuten-Show, darunter ist es kaum zu machen. Wenn Gorny in Fahrt ist, m?andert er fr?hlich durch Musikwissenschaft, Trendforschung, PR-Analyse und eigene Erfahrungen als Vater. Es w?re eine unterhaltsame Sendung, bei der man am Ende kurzzeitig das Gef?hl h?tte, jetzt h?tte einem endlich jemand erkl?rt, was die Zukunft bringt. Sp?ter w?rde einem auffallen, da? richtig viel Handfestes nicht dabei war und das wenige genau das Gegenteil dessen, was er in der vorigen Ausgabe gesagt hatte. Es k?men S?tze darin vor wie der, den Gorny gerade dem "Musikmarkt" zur Zukunft der Branche sagte: "Musikfernsehen als Br?cke zwischen digitaler Distribution, sprich Downloading, und normalem Fernsehkonsum", und: "Wir stehen hier am Anfang der digitalen Revolution." Wer wollte dem widersprechen, was immer es bedeuten mag?

Quelle:
FAZ.net