Kuttner.
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Presseberichte zu Sarah und ihrer Show

Artikel vom 28.11.2005 erschienen in taz

Ich will ?berzeugter von mir sein


Die gro?e dunkle Sonnenbrille erf?llt ihren Zweck. Man erkennt sie nicht gleich. Doch als die zierliche junge Frau den Mund aufmacht, ist klar, wer vor einem steht, dass sie vor einem steht: "Hallo, ich bin Sarah." Frau Kuttner nennt sie wohl nur ihr Steuerberater. Sarah Kuttner, 26, arbeitet in der Duz-Branche schlechthin. Gegenwehr zwecklos! Seltsam nur, dass ihre Show nach dem Umzug von Viva zu MTV im September ausgerechnet ihren Nachnamen tr?gt: "Kuttner." Der Punkt dahinter m?sste eigentlich ein Ausrufezeichen sein, denn Sarah redet ohne Punkt und Komma. Ihre schnoddrige Berliner Art hat auch die taz gespalten: Von "Zum Gutfinden" bis "Die Witzezerst?rerin" reichten die Beurteilungen.

INTERVIEW DAVID DENK UND FELIX LEE

taz: Sarah, wie beginnt man ein Gespr?ch ?ber Langeweile?

Sarah Kuttner: So schon mal nicht Jungs. Ihr seid die Interviewer und stellt Fragen. Ich kann mich ausnahmsweise mal fallen lassen und antworte, gebe aber keine guten Ratschl?ge.

taz: Na gut. ?ber dich ist bereits eine Menge geschrieben worden. Jeder hat eine Meinung von dir. Du giltst als frech, kokett, polarisierend - langweilt dich das nicht?

Sarah Kuttner: Tierisch. Aber was soll sonst noch ?ber mich geschrieben werden? Ich bin halt noch nicht in die Dritte Welt gereist und habe kleine schwarze Kinder gerettet oder den Himalaja durchquert. Ich arbeite seit vier Jahren im Musikfernsehen. Viel mehr gibt es ?ber mich nicht zu erz?hlen.

taz: Wird vielleicht einfach grunds?tzlich zu viel geredet?

Sarah Kuttner: W?r famos, wenn ich das sagen w?rde, oder? Zumindest alles andere als langweilig. Aber nein, ich rede ja selbst gerne. Ich bin schon an diversen Herren gescheitert, weil ich das Gespr?ch zu offensiv gesucht habe.

taz: Wird Schweigen zum Luxus, wenn man in Interviews immer das Gleiche erz?hlen soll?

Sarah Kuttner: Es gibt Ausnahmen. Neulich hatte ich ein ganz tolles Telefoninterview. Wir haben uns mehr als eine Stunde ?ber Liebe unterhalten, ?ber Freundschaften - all diesen Privatkram also. Erschienen ist dann aber nur eine langweilige Meldung.

taz: Was ist denn f?r dich das Gegenteil von Langeweile?

Sarah Kuttner: Unterhaltung. Das hei?t aber nicht, dass Clowns um mich rumh?pfen m?ssen oder was in die Luft fliegen muss.

taz: Wann hast du dich zuletzt gut unterhalten gef?hlt?

Sarah Kuttner: Neulich war Johannes B. Kerner bei mir zu Gast, dem wir nat?rlich ein Hotelzimmer gebucht haben. Er wollte es aber nicht und ist lieber gleich wieder nach Hause gefahren. Das Zimmer lie? sich allerdings nicht mehr stornieren. Also bin ich mit der Redaktion in dieses teure und stylishe Zimmer eingezogen, wir haben zusammengesessen, uns unterhalten - und im Hintergrund lief Kerner im Fernsehen. Da f?hlte ich mich sehr gut aufgehoben.

taz: Warum?

Sarah Kuttner: Weil es so ein bl?der Kinderspa? war. Wir waren irgendwie s?? an diesem Abend.

taz: Wie lange dauerte der Spa??

Sarah Kuttner: Anderthalb Stunden. Ziemlich kurz. Nun h?rt mal. Nach anderthalb Stunden ist ein Hotelzimmer wirklich durch. Der Fernseher hatte einen beschissenen Ton. Also sind wir tanzen gegangen.

taz: Partys assoziiert man schon eher mit deinem Job. Aber Hotelzimmer-Sit- ins?

Sarah Kuttner: Ich habe eben andere Bed?rfnisse, als von Gala zu Gala zu hopsen. Ich suche zwischenmenschliche Momente, bei denen nicht so viele oberfl?chliche Leute um mich rumschwirren. Zum Beispiel finde ich Smalltalk ganz furchtbar. Ich kann das nicht. Inzwischen habe ich diese Art der Konversation aufgegeben und sage einfach: "Ich muss mal aufs Klo." Und bin weg.

taz: Aber die vielen Stars in deiner Show haben doch sicherlich auch hinter der Kamera viel Spannendes zu erz?hlen?

Sarah Kuttner: So engen Kontakt pflege ich mit den meisten nicht. Sie sind meine Studiog?ste, und ich mache meinen Job.

taz: Der dich verschlossener gemacht hat?

Sarah Kuttner: Schon, aber nur gegen?ber fremden Menschen, die ich nicht wirklich brauche. Gegen?ber meinen Freunden nicht. An die habe ich sehr hohe Anspr?che. Ich habe sie alle lieb und bin gerne f?r sie da. Im Gegenzug m?chte ich, dass sie nat?rlich auch f?r mich da sind. Ich m?chte tr?sten und getr?stet werden. Ich muss aber nicht mit jedem befreundet sein, dem ich begegne.

taz: Bist du etwa arrogant? Abgehoben?

Sarah Kuttner: Ich finde nicht. Schlie?lich halte ich mich ja f?r nichts Besseres als andere. Ich finde es nur unheimlich anstrengend, dauernd neue Leute kennen lernen zu m?ssen. Dazu bin ich zu faul. Meine freie Zeit verbringe ich lieber mit Freunden, die mir etwas bedeuten und mit denen ich ganz selbstverst?ndlich an vertraute Gespr?che ankn?pfen kann.

taz: Was langweilt dich an anderen Menschen?

Sarah Kuttner: Wenn Leute nicht witzig sind oder meinen Humor nicht teilen. Das ist nicht schlimm, aber ich kann eben nicht aus H?flichkeit lachen. Unter Freunden haben wir deshalb inzwischen Geheimzeichen ausgemacht, die wir uns auf Partys machen, wenn einer von uns mal nicht aus einem Gespr?ch herauskommt. Ich kann ja nicht bei jedem Gespr?ch aufs Klo rennen. In der Regel kommt dann meine Freundin und sagt: "Sarah, ich muss unbedingt mit dir einen Drink holen." Das klappt meistens.

taz: Die meisten Leute, mit denen du zu tun hast, langweilen dich also?

Sarah Kuttner: So habe ich das nicht gesagt. Das w?re zu einfach. Es gibt Leute, die man beim Ausgehen kennen lernt und die dann sagen: "Hey, du bist doch Sarah Kuttner. Dich finde ich super." Allein deswegen muss man da schon freundlich sein, weil es bezaubernd und mutig ist, einen Promi anzusprechen. Nichts ist schlimmer als Leute, die mit dem Finger auf dich zeigen, aber keinen Ton von sich geben. Eine andere Sorte Mensch, mit der ich zu tun habe, sind Leute von Plattenfirmen. Die sind zwar auch nett. Aber da reicht mir der ganze Businessteil, dann kann man hinterher noch ein bisschen quatschen. Aber dann ist auch gut. Das klingt sehr rigoros. Ich bin einfach nicht der Action-Mensch, f?r den mich viele halten. Nat?rlich finde ich mich selbst auch interessant. Man kann mit mir reden. Ich bin witzig. Aber am wohlsten f?hle ich mich unter Freunden, in der Beziehung oder bei meiner Familie. Ich kann Samstage zu zweit oder dritt bei Ikea verbringen und danach einen Hot Dog essen. Das finde ich romantisch. Oder wenn eine Zahnb?rste in meinem Becher steht, die nicht von mir ist. Aber st?ndig auf Partys herumh?ngen und koksen - das mache ich nicht.

taz: Es muss ja nicht gleich Koks sein. Was ist mit anderen Drogen? Alkohol?

Sarah Kuttner: Mag ich nicht. Mit 17 oder 18 habe ich mir mal die Kante gegeben. Das hat mir gereicht. Alkohol macht aber durchaus alles interessanter und bleibenswerter. Wer nicht trinkt, langweilt sich schneller. Ich tanze auch nicht oft, sondern stehe lieber rum und schaue mir die Menschen an. Ich gehe also schon ganz gern aus, aber ein Partym?dchen bin ich nicht.

taz: Bist du nicht im falschen Gesch?ft?

Sarah Kuttner: Quatsch. Das eine ist mein Job. Deswegen muss ich privat noch lange nicht auf Tischen tanzen. Ich war nie Punk und habe nie gegen W?nde gepisst. Aus Prinzip gegen das Establishment zu sein finde ich dumm. Ich wasche mich total gerne und hasse Kr?mel im Bett.

taz: Du passt also ganz gut nach Prenzlauer Berg.

Sarah Kuttner: Stimmt. Prenzlauer Berg ist ein bisschen so wie ich, eine sch?ne Mischung. Da wohnen durchaus l?ssige Menschen, die es aber gerne sauber haben.

taz: Hast du dich deswegen in einem Interview als "langweiligsten Menschen der Welt" bezeichnet?

Sarah Kuttner: Ich habe das ein einziges Mal in dem eben genannten Party- Zusammenhang gesagt. Und schon schreiben das alle.

Sarah Kuttner: Eine kokette Selbstinszenierung?

taz: Nein, die Wahrheit. Ich hasse zum Beispiel auch Ver?nderungen. Wenn ich in den Urlaub fahre, finde ich am ersten Tag immer alles doof, weil mir alles so fremd ist. Mann, das klingt spie?ig. Vielleicht bin ich nicht nur langweilig, sondern spie?ig.

taz: Willst du dich so von deinem Vater, dem bekannten Radiomoderator J?rgen Kuttner, abgrenzen?

Sarah Kuttner: Nein, abgrenzen will und muss ich mich nicht. Da sind wir einfach zu unterschiedlich. Und Papa ist ja auch kein Crazy-Party-M?dchen. Wir sind einfach nur normal. Ich f?rchte, das gilt als langweilig. Sicher? Schlie?lich verdient er sein Geld auch mit dem losen Mundwerk. Ganz sicher.

taz: Schaust du dir deine Sendungen sp?ter noch mal an?

Sarah Kuttner: Selten. Einfach deshalb, weil mir st?ndig irgendwelche Fehler auffallen w?rden. Wenn ich aus meiner Sendung herausgehe, habe ich meistens ein ganz gutes Gesp?r daf?r, ob die Show gut war oder nicht. W?rde ich mir die Show ansehen, fiele mir zus?tzlich dazu noch eitler Kleinkram auf, und das w?rde mich nur unn?tig hemmen.

taz: Fragst du deine Freunde, wie's war?

Sarah Kuttner: Auch nicht. Entweder sie sagen's mir von allein oder eben nicht. Danach fragen finde ich eigenartig.

taz: Woher wei?t du dann, ob du gut warst?

Sarah Kuttner: Ich habe da eben ein Gef?hl f?r. Aber im Grunde habe ich keine Ahnung, ob ich diesen Job gut mache, weil vieles letztlich Geschmackssache ist. Ich wei? nur, dass ich das Handwerk ganz gut beherrsche. Das merke ich zum Beispiel, wenn ich kurz vor der Sendung geweint habe und trotzdem eine Minute sp?ter l?chelnd ins Studio gehen kann.

taz: Nervt das nicht, so auf sich selbst gestellt zu sein?

Sarah Kuttner: Es klingt zwar sch?n und schlau, wenn man sagt: Ich zweifle jeden Tag an mir. Es fetzt aber echt nicht. Ich m?chte manchmal ein bisschen ?berzeugter von mir sein.

taz: K?nnte dabei konstruktive Kritik von anderen nicht helfen?

Sarah Kuttner: Was ist, wenn Leute genau die Punkte anzweifeln, die ich zur Abwechslung mal gut an mir finde? Davon abgesehen verbiete ich doch niemandem Kritik. Ich bitte nur auch nicht darum. Man sagt mir schon, wie man mich findet. Die Medien kritisieren, meine Redaktion kritisiert. Dann gibt es noch die Quoten und meinen Programmchef.

taz: Und wenn die Quote stimmt, du aber keine Lust mehr hast?

Sarah Kuttner: Davor habe ich Angst.

taz: Und dann?

Sarah Kuttner: Wei? ich nicht. Viele Leute fragen mich: Wo siehst du dich in f?nf Jahren? Keine Ahnung. Ich kann immer nur bis morgen denken. Wenn ich jetzt anfange, gro?e Pl?ne zu machen, konzentriere ich mich nicht mehr mit Leidenschaft auf das, was ich jetzt mache. Ich sehe mich schon weiterhin eher als Moderatorin. Manchmal denke ich, vielleicht sollte ich eine Talk- Sendung machen. Aber dann m?sste ich mit dem Quatschmachen aufh?ren. Das will ich nicht.


Quelle:
taz