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Presseberichte zu Sarah und ihrer Show

Artikel vom 20.01.2006 erschienen in Die Welt

Der Kindergeburtstag ist vorbei!

Der Kindergeburtstag ist vorbei!


Sarah Kuttner soll MTV zu mehr Kanten verhelfen - Aber pa?t ihr Profil zum Sender? von Antje Hildebrandt "Ich bin Kreativ-Chefin": Sarah Kuttner mit Sven Schuhmacher, der in ihrer Show die Stichworte liefert. Foto: MTV Manchmal fragt sich Sarah Kuttner, woran man eigentlich merkt, da? man erwachsen wird. Bei MTV ist sie ja gewisserma?en die Berufsjugendliche vom Dienst und l?uft vielleicht deshalb gern barfu? durchs Studio. Doch neulich wurde ihr bewu?t, da? auch ihre Zeit auf der Spielwiese nicht ewig w?hrt. Sarah Kuttner hatte Sven Regener und seine Band Element of Crime in ihre Show eingeladen. Sven Regener, das ist der Wahl-Kreuzberger, der nicht nur wunderbar lakonische Romane schreibt wie "Herr Lehmann", sondern auch ebensolche Songtexte zu zeitlos sch?nem Pop. Senderchefin Sigi Hohner war ?ber diesen Gast jedoch nicht besonders gl?cklich. Regener, Jahrgang 1961, sei schon verh?ltnism??ig alt, gab sie zu bedenken - jedenfalls zu alt f?r die von MTV angepeilte Zielgruppe der 14- 29-J?hrigen. Kuttner sagt, in diesem Moment habe sie zum ersten Mal k?mpfen m?ssen. Am Ende mit Erfolg. Dem Argument der 26-j?hrigen Moderatorin, die Anh?nger der Band pa?ten auch in das Raster der Zielgruppe von MTV, vermochte die Senderchefin offenbar nichts entgegenzusetzen. Vielleicht hat sie auch nur vor deren Redeflu? resigniert. An R?ckgrat mangelt es Sarah Kuttner nicht. Dabei tut sie in ihrer Show immer so, als n?hme sie niemanden ernst, am allerwenigsten sich selber. Sie versteigert ihre Fingern?gel bei Ebay, sie legt sich vollbekleidet in die Badewanne, um Alexa Hennig von Lange am Todestag von Uwe Barschel zu interviewen, und wenn sie mit Nadja Uhl ?ber ihren neuen Kinofilm "Sommer vorm Balkon" plaudert, hat man den Eindruck, zwei Freundinnen beim Kneipengespr?ch ?ber WG-Erfahrungen und peinliche Outfits zuzuh?ren. Das klingt dann zum Beispiel so: "Hattest Du eigentlich ein Po- Double?" Dabei ist die Tochter des bekannten Radiodampfplauderers J?rgen Kuttner nicht halb so flippig, wie sie im TV tut. Sie trinkt keinen Alkohol und ha?t Smalltalks, ihren Urlaub bucht sie am liebsten pauschal, und manche sehen in ihr schon die Nachfolgerin von Sabine Christiansen. Kuttner polarisiert. Es gibt Menschen, die ihr "Frechsein um des Frechseins" Willen ("FAZ") anstrengt, die genervt sind von ihrer "grandiosen Egomanie" ("taz"). Andere bewundern "die vorlaute Heilige ohne irdische Konkurrenz" ("Spex"). Sie sehen in ihr einen Rohdiamanten, der, mit ein wenig Schliff, eines Tages auch im ?ffentlich-rechtlichen Fernsehen funkeln k?nnte. Da? erste Ausfl?ge in diese Gefilde ohne Jobangebote endeten, habe sie nicht gest?rt, beteuert Kuttner. 2005 hat sie mit J?rg Pilawa f?r die ARD die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest moderiert, seither redet er nicht mehr mit ihr. Sie sagt: "Es war schwierig mit J?rg." Und ein Pilot f?r ein j?ngeres Kulturformat f?r den WDR verschwand wieder in der Versenkung, angeblich trotz guter Kritiken. Ern?chtert bilanziert die Moderatorin "Der Sender hat sich nicht getraut, sein Publikum zu verj?ngen." Bei MTV in Berlin-Friedrichshain sind es an einem Donnerstagabend im Januar ?berwiegend M?dchen ab 16, die kichern, als die 1,60 Meter gro?e Moderatorin einen selbstironischen Witz mit den Worten kommentiert: "Ich mu? das jetzt so machen, weil das von mir so erwartet wird." Schr?g zu sein. Genau das scheint ihr immer schwerer zu fallen - jetzt, da ihre Latenight-Show f?r Adoleszente nicht mehr auf Viva, sondern auf MTV l?uft. Dessen Mutterkonzern Viacom hat den defizit?ren K?lner Kanal 2004 geschluckt. Seither versucht er, die Sender komplement?r auszurichten. Beide sprechen die 14-29-J?hrigen an, allerdings ist MTV etwas m?nnerlastiger - und deshalb wohl auch cooler als der chartorientierte Adoptivbruder. MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger spricht vollmundig von "der neuen Kantigkeit". Tats?chlich hat der Sender schon einiges getan, um die Bef?rchtung zu entkr?ften, mit der kostspieligen ?bernahme von Viva verwandle sich MTV endg?ltig vom Pop-TV zum Werbefernsehen. Im Herbst hat er die umstrittene Klingeltonwerbung verbannt. "Den Verlust an Werbeeinnahmen", r?umt Giglinger ein, "haben wir noch nicht vollst?ndig kompensiert." "Kuttner" gilt - neben Christian "Ulmens Auftrag" - als Aush?ngeschild. Der Sender geht mit ihr auf Kundenfang. Das erkl?rt, warum sich die 26-J?hrige weigert, ?ber das Thema Quote zu sprechen: "Ich bin Kreativ-Chefin, keine Gesch?ftsfrau." Dabei wird die Show, immer dienstags und donnerstags um 21 Uhr im Programm, von ihrer eigenen Firma produziert. Sie hat sie zusammen mit dem bisherigen Produzenten Brainpool gegr?ndet. Faktisch tr?gt Kuttner jetzt also auch wirtschaftliche Verantwortung - nicht nur f?r sich, sondern auch f?r die zehn befreundeten Kollegen aus der Redaktion. Sie selber sagt, der Kindergeburtstag sei vorbei. Im Herbst l?uft ihr Vertrag mit MTV aus, und auf Nachfrage r?umt Elmar Giglinger ein, da? die Show das Ziel von ?ber zwei Prozent Marktanteil noch nicht erreicht habe. Er sagt: "Nach einem guten Start fiel die Sendung in ein kleines Loch. Jetzt sind wir aber wieder auf einem guten Weg". Doch der Geschmack der MTV-Zuschauer ?ndert sich schneller als die Mode von H& M. Noch lachen die M?dchen im Studio ?ber jeden Gag. ?ltere Zuschauer beginnt der kalkulierte Tabubruch allerdings zu langweilen. Insider wundert das nicht. Die Show hat Sarah Kuttner zusammen mit Eric Pfeil konzipiert. Er ist auch Erfinder von "Fast Forward", jener Viva- Sendung, f?r den ihre Moderatoren-Kollegin Charlotte Roche einst den Grimme-Preis gewann - und zuf?lligerweise auch der Vater von Roches kleiner Tochter. Dieser Eric Pfeil fehlt "Kuttner" jetzt in Berlin. Er ist in K?ln geblieben, als die Redaktion umzog. Roche hat dem Musikfernsehen derweil den R?cken gezeigt. Sie stellt ihre Lieblingsbands jetzt auf Arte vor.


Quelle:
Die Welt